Mitglied des Europäischen Parlaments | Stellvertretender Vorsitzender der EVP-Fraktion
Bezirksvorsitzender der CSU Niederbayern
Über Patriotismus schreibt Manfred Weber:
Wir Deutsche und unsere Nation - auch sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir noch immer kein konfliktfreies Verhältnis zu diesem Begriff. In Diskussionen drückt man sich oft um konkrete Aussagen herum. Viele haben Schwierigkeiten mit dem Satz "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein". "Ich hab doch nichts dazu beigetragen, dass ich Deutscher bin - wie sollte ich darauf stolz sein können", heißt es zur Begründung.
Um es klar zu sagen: Ich bin stolz darauf, Deutscher zu sein. Ich bin stolz auf unsere reiche Geschichte, unsere Kultur, die deutschen Dichter und Denker. Ich freue mich, wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft Erfolge feiert. Ich freue mich, wenn unsere Wirtschaft international konkurrenzfähig ist. Ich bin stolz auf unsere stabile Demokratie, unseren deutschen Föderalismus. Und ich bin stolz auf den Beitrag, den Deutschland für das Zusammenwachsen Europas leistet. Diese Aufzählung ließe sich fortsetzen und Sie als Leser haben sicher Ihre eigenen Punkte, auf die Sie stolz sind.
Zu meinem Selbstverständnis gehört übrigens auch die Liebe zu meiner Heimat, zu Niederbayern, zu Bayern. Und es gehört meine Vorstellung von einem starken, christlich geprägten Europa dazu. "Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland, Europa unsere Zukunft", hat es Franz Josef Strauß einmal formuliert.
Wenn man sich zu seiner Nation und seiner nationalen Identität bekennt, ist man übrigens noch lange kein Nationalist. Ich selbst sehe mich als Patrioten. Der Unterschied ist offensichtlich: Der Nationalist geht davon aus, dass sein Land anderen Ländern überlegen ist, er grenzt sich von anderen ab, weil er vermeintlich besser ist. Dieses Denken hat uns den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und Millionen von Toten gebracht. Es ist erschütternd und fordert zum Handeln auf, dass gerade junge Menschen, auch in Niederbayern, heute wieder rechtsradikalen Rattenfängern nachlaufen. Mit kahlem Kopf und Springerstiefeln verbreiten sie Hass. Mir macht das Angst und jeder ist gefordert, diese Strömungen zu bekämpfen.
Ein Patriot dagegen liebt seine Heimat und sein Land, ohne sich gegenüber anderen zu erhöhen. Er respektiert die Einstellung Andersdenkender und begegnet fremden Kulturen mit Offenheit und Toleranz. Verschiedenheiten gilt es zu akzeptieren. Sie sollten als Bereicherung empfunden werden. Wahre Toleranz ist im Übrigen nur dann möglich, wenn man sich seiner eigenen Identität bewusst - sprich selbstbewusst - ist. Dies gilt beispielsweise auch für die Auseinandersetzung mit dem Islam. Als Christen müssen wir uns zunächst unseres Glaubens bewusst sein, bevor wir den Dialog führen. Bei vielen, die die multikulturelle Gesellschaft propagieren, vermisse ich genau dieses Bewusstsein für die eigene Kultur.
Ein gesunder Patriotismus ist vor allem für uns Bayern wichtig. Ein zentraler Auftrag, gerade für die Jungen in der Politik, ist die Bewahrung und stete Erneuerung einer starken regionalen Identität. Heimat wird in Zeiten der Globalisierung und des Datenhighways noch mehr an Bedeutung gewinnen. Heimat ist Kultur, Freunde, Geborgenheit, Landschaft, Glaube und Tradition. Wir sollten deshalb auch als Politiker dazu beitragen, dieses Bewusstsein zu stärken.